Alles Walzer! Johann Strauss und der Opernball

In wenigen Tagen wird DAS zentrale Ereignis jeder österreichischen Ballsaison wieder über die Bühne gehen. Ein guter Anlass, einen Blick auf seine Ursprünge und in die Familiengeschichte der „Geburtshelfer“ dieser so österreichischen Institution zu werfen.

Der Kongress tanzt

Die Geschichte des Wiener Opernballes wird als eine sehr österreichische erzählt. Von September 1814 bis Juni 1815 versammelte sich in den umfangreichen Delegationen zum Wiener Kongress eine unglaubliche Anzahl von adeligen Diplomaten um Europa nach den Koalitionskriegen und der Niederlage Napoleons unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst Klemens von Metternich neu zu ordnen.

Gastgeber war Kaiser Franz I. von Österreich und man wollte sich wohl keine Blöße geben, und den Aufenthalt der Kongressteilnehmer möglichst angenehm und abwechslungsreich gestalten.

Die Abfolge geselliger Ereignisse, Bälle und sonstiger Vergnügungen veranlasste Charles Joseph Fürst von Ligne in einem Brief an den französischen Staatsmann und Diplomaten Talleyrand vom 1. November 1814 zu der Äußerung: (1)

Man schreibt mir das Wort zu: ‚Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts.‘ Es sickert auch nichts durch als der Schweiß dieser tanzenden Herren. Ich glaube auch gesagt zu haben: ‚Dies ist ein Kriegskongress, kein Friedenskongress.‘“

Charles Joseph de Ligne

Eine Weltstadt im Umbruch

Wien erlebte zu dieser Zeit gewaltige Umbrüche. Napoleon hatte im Jahre 1809 die Stadt belagert, beschossen und eingenommen – wie im selben Jahr auch Graz. Auch dort konnten die umfangreichen Stadtbefestigungen der Stadt keinen Schutz mehr gegen die Angreifer bieten. Letztlich waren die mächtigen Steinmauern nicht mehr geeignet dafür, eine Stadt gegen die Bewaffnung des 19. Jahrhunderts zu verteidigen.

Gleichzeitig herrschte in der Stadt Platznot, während vor der Stadtmauer vergleichsweise riesige Flächen (das sogenannte „Glacis„) per Verordnung als Schussfläche frei zu halten waren.

Wiener Glacis 1858 (Basiskarte von John Murray, genordet).
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Glacis#/media/Datei:Wien_01_Glacis_John_Murray_1858_Gugerell.jpg
Wiener Glacis 1858 (Basiskarte von John Murray, genordet)
Carl Wenzel Zajicek: Das Wasserglacis Mitte des 19. Jahrhunderts

Im Jahr 1817 hob schließlich Kaiser Franz I. den Status Wiens als Festung auf und genehmigte die bauliche Nutzung erster Flächen. Doch es sollten noch Jahrzehnte vergehen, in denen die breiten Flächen des Glacis vor allem für diverse Märkte, Vergnügungsstätten und gastronomische Einrichtungen genutzt wurden – darunter das Wasserglacis, wo Johann Strauss Vater und Sohn in einem soliden Kaffeehaus aus Holz aufspielten.

Nach der Revolution von 1848 wurde zunehmend erkannt, dass die Verteidigungsbauwerke dem Platzbedarf der aufstrebenden Metropole im Weg standen und so erteilte der Kaiser im Jahr 1857 schließlich den Auftrag, die Stadtmauer und die Befestigungen zu schleifen. Der Bau der Wiener Ringstraße hatte begonnen.

Neben vielen repräsentativen Palais entstanden in den darauf folgenden Jahrzehnten das Parlament, das Burgtheater, das neue Universitätsgebäude sowie das k.k. Hofopern-Theater.

Wiener Zeitung, 25.12.1857

Die heutige Wiener Staatsoper entstand als einer der ersten Monumentalbauten an der neuen Ringstraße und wurde am 25.05.1869 im Beisein von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth mit einer Aufführung von Mozarts Don Giovanni eröffnet.

Der Beginn als „Hofopern-Soireen“

Etliche Quellen – wie auch die Darstellung der Geschichte des Opernballs auf der Homepage der Wiener Staatsoper sehen den Opernball als direkte Folge der Ballfeste, die auch in den Jahren nach dem Kongress in Wien stattgefunden hatten. Es sollte jedoch noch etliche Jahrzehnte und eine blutig niedergeschlagene Revolution (1848) dauern, bis 1877 die erste Hofopern-Soiree den Grundstein zum heutigen Opernball legte.

Als im Jahre 1869 das Personal des k. k. Hofoperntheaters endlich ins prachtvolle neue Haus am Ring einziehen konnte, verweigerte jedoch Kaiser Franz Joseph I. die Erlaubnis, in seinem Theater Tanzfeste zu veranstalten. So fand der erste Ball mit der Bezeichnung »Ball in der Hofoper« nicht im Haus am Ring, sondern im ebenfalls neuen und prachtvollen Gebäude der »Gesellschaft der Musikfreunde« statt.

Homepage der Wiener Staatsoper – Geschichte des Opernballes

Im Jahre 1877 ließ sich der Kaiser doch erweichen und genehmigte die Soiree in seiner Oper. Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung waren dem Opernpensionsfonds gewidmet und offiziell durfte nicht getanzt werden. Von offizieller Seite wurde wohl mit einigem Zustrom gerechnet. In der Wiener Zeitung wurde von Seiten der k.k. Polizeidirection eine passende Fahrordnung publiziert und die Veranstaltung auch gebührend inseriert

Wiener Zeitung, 11.12.1877 – p.4
(ANNO – Österreichische Nationalbibliothek)
Wiener Zeitung, 11.12.1877 – p.5
(ANNO – Österreichische Nationalbibliothek)

Rockstar des Biedermeier – mit Sympathien für den Vormärz

Bis die Zeit reif war für den ersten Opernball, war Johann Strauss Sohn (25.10.1825 – 03.06.1899) bereits ein Star der Wiener Musikszene geworden.

Strauss hatte bereits früh Musikunterricht genommen und wurde von seiner Mutter gefördert. Sein musikalisch ebenfalls sehr erfolgreicher Vater Johann Strauss (Vater), der gemeinsam mit Joseph Lanner als Erfinder des Wiener Walzers gilt, hatte um 1835 mit der Familie gebrochen. Nur wenige Monate nach der Geburt des jüngsten Bruders Eduard Strauss kam sein erstes mit der Modistin Emilie Trampusch gezeugtes Kind zur Welt.

So ging Johann Strauss junior sehr früh dazu über, die Musik zu seinem Brotberuf zu machen. Er brach nach dem Tod Josef Lanners 1843 die schulische Ausbildung ab und vervollständigte seine musikalische Ausbildung. (2)

Sein – vom Vater juristisch bekämpftes (!) – Debut mit eigener Kapelle im Wiener Café Dommayer wurde bereits mit großer Begeisterung angekündigt und auch rezensiert:

Johann Strauss (Sohn),
Lithographie von Josef Kriehuber, 1853

Heute, den 15. tritt der 16-jährige Sohn unseres Walzer-Heros, Johann Strauss, zum ersten Male in Dommayer’s Casino in Hitzing als Capellmeister eines eigenen Orchesters auf. Diesem jungen Director ist ein glänzender Erfolg im Voraus zu prophezeien. Seine bisher nur in Gesellschaften vorgetragenen Walzer=, Polka= und Quadrille=Compositionen sind höchst originell und behend.

ANNO.onb.ac.at – Österreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune, Oktober 1844

Nach dem Tod des Vaters 1849 übernahm er dessen Orchester, vereinte es mit seinem eigenen und absolvierte zahllose und umfangreiche Tourneen in Europa.

Johann junior hatte einige Werke komponiert, die Sympathie für Revolutionäre des Jahres 1848 erkennen oder vermuten ließen, was bei Hof naturgemäß wenig Begeisterung hervorrief. Doch seine Popularität war groß und so wurde er im Jahre 1863 dennoch zum k.k. Hofballmusik-Direktor ernannt, ein Amt, das auch sein Vater bereits innegehabt hatte.

Bis 1871 leitete er nun alle Hofbälle und komponierte Tanzmusik, was ihm den Titel „Walzerkönig“ einbringen sollte. Ab 1870 übernahm sein jüngerer Bruder Eduard (ebenfalls begabter Musiker und später sehr erfolgreicher Kapellmeister) die Leitung des Strauss-Orchesters. Johann wandte sich ab 1871 der Operettenkomposition zu.

Wer also, wenn nicht Johann Strauss und sein Bruder Eduard, wären prädestiniert gewesen, die erste Ballveranstaltung im k.k. Hofopern-Theater musikalisch zu gestalten?

Wikipedia beschreibt den Ablauf der Veranstaltung nüchtern so:

 Johann Strauss (Sohn) dirigierte das Hofopernorchester, und als sein Bruder Eduard Strauß mit der Strauß-Kapelle erstmals seine Opern-Soirée-Polka aufführte, wurden die Sessel beiseite geräumt und es wurde getanzt

Die Sträuße und ihre Vorfahren

Johann Strauss Sohn wurde im Jahr 1825 in der damaligen Wiener Vorstadt (heute der 7. Bezirk (Neubau)) geboren. Nachdem die Geburt nur drei Monate nach der Trauung seiner Eltern erfolgte findet man im Taufbuch zwar den Strich bei „ehelich“, allerdings mit dem Zusatz bei seinem Vater Johann „Ich bekenne mich als Vater dieses Kindes“ – der zuständige Geistliche wollte offenbar auf Nummer Sicher gehen…

Pfarre Wien 07 – St. Ulrich – Taufbuch 43 – p.291

Fünf weitere Kinder sollten folgen, die Familie allerdings danach zerbrechen als der Vater 1835 – nur knapp nach der Geburt des letzten Bruders – mit einer Geliebten eines von 8 weiteren Kindern in die Welt setzte.

Johanns Mutter Anna STREIM sollte sich in der Folge als tüchtige und strenge Managerin des entstehenden Strauss-Familienunternehmens erweisen.

Johann Strauss Vater war Strauss in der Leopoldstadt aufgewachsen, deren damals sehr enger Bezug zur Donauschifffahrt sich auch heute noch in ihren Straßennamen wiederfindet. Als drittes Kind des Bierwirten der Gastwirtschaft „Zum heiligen Florian“ (heute 1020 Wien, Floßgasse 7) Franz Borgias Strauss und der Kutscherstochter Barbara (geborene Dollmann) war er mit Sicherheit ein Kind der Gastronomie und der Unterhaltungsbranche und von Kindesbeinen an vertraut mit der Musik stromabwärts fahrender Musikanten. (4) Er sollte wieder dorthin ziehen.

Um das Jahr 1834 übersiedelte Johann Strauss in eine große Wohnung im sogenannte „Hirschenhaus“ in der Taborstraße 17b (heute Wien 2), in der er nicht nur zunächst noch mit seiner Familie wohnte, sondern in der auch komponiert, kopiert und Orchesterproben abgehalten wurden. Das erste Unterhaltungsmusikunternehmen der Welt sollte entstehen. (4)

Quelle: Wien Museum, Inv.Nr. 27207/2, Foto: A. Stauda

Zum heiligen Florian (2, Floßgasse [ursprünglich Florianigasse] 7), Schild eines Hauses in der Leopoldstadt, in welchem sich das Wirtshaus "Zum guten Hirten" befand. Das Wirtsgeschäft betrieb 1803-1808 und 1812-1816 der bürgerliche Bierwirt Franz Strauß, dessen hier am 14. März 1804 geborener Sohn Johann Baptist als Johann Strauss (Vater) berühmt werden sollte. An dem später umgebauten Haus wurde am 4. Oktober 1883 eine von Wiener Bürgern gestiftete Gedenktafel enthüllt; die Festrede hielt der Schauspieler Karl Blasel. 1906 wurde ein Neubau errichtet (Gedenktafel auf diesen übertragen).
Zum heiligen Florian
Wien Museum, Inv.Nr. 27207/2, Foto: A. Stauda
„Hirschenhaus“, Ecke Taborstrasse / Karmeliterplatz, 1020 Wien

Der Umbruch in Wien ist auch an der Adressierung bzw. Nummerierung der Häuser beobachtbar. In vielen Bezirken wurden seit der Einführung der „Conskriptionsnummern“ im Jahre 1771 nach der ersten sog. „Seelenkonskription“ (1754) mehrfach die Hausnummern neu vergeben. Der Inhaber der neu geschaffenen Stelle eines Stadtbauinspektors (3), Anton BEHSEL, trägt in akribischer Kleinarbeit bis zum Jahr 1829 Wiens erstes Häuserverzeichnis zusammen. Das Hirschenhaus findet man darin mit drei unterschiedlichen Nummern. Doch die Geschichte der Adressen und Hausnummern in Österreich ist Gegenstand eines eigenen Beitrages: Adressen und Hausnummern in der Ahnenforschung .

Das „Hirschenhaus“ (heute Taborstraße 17b) in den Katastralmappen des Jahres 1829

Über seinen Vater, Franz Borgias Strauss, konnte ich ohne Besuch eines Archivs nur wenig Erhellendes finden. Dieser wurde bereits im zweiten Bezirk geboren, sein Vater Johann Michael übte zu dieser Zeit den Beruf eines Tapezierermeisters aus. Bei seiner Hochzeit mit Barbara DOLLMANN, der Mutter von Johann Strauss (Vater) war er ein Kellner. Diesen Stand konnte er bis zur Geburt seines Sohnes Johann bereits zum „bürgerlich. Bierwirth“ verbessern.

Johann Strauss (Vater) war bereits im Alter von 12 Jahren zum Vollwaisen geworden, denn beide Elternteile verstarben früh. Im Jahre 1811 erlag Mutter Barbara einem „schleichenden Fieber“. Ihr Sterbebuch-Eintrag stammt nicht von der Wohnsitz-Pfarre, sondern von der Pfarre Alservorstadt-Krankenhaus. Daran lässt sich leicht erkennen, um wie vieles schwerer im großstädtischen Bereich die Ahnenforschung aufgrund der vergleichsweise sehr hohen Mobilität zwischen den vielen Pfarren und der städtischen Infrastruktur der zentralen Krankenhäuser sein kann.

Franz Borgias Strauss verstarb im Jahr 1816. Er wurde an der Donau ertrunken aufgefunden – möglicherweise als Suizid. Nachvollziehbar ist das in den umfangreichen Totenbeschau-Protokollen der Stadt Wien.

Totenbeschau-Protokoll der Stadt Wien, 1816 - Lit. S - p.28
„Strauss Franz, bürgerl. Bierwirth von N. 51 in der Leopoldstadt‘
welcher in der Donau ertrunken und im allg.
Krankenh. ge[… (nicht entziffert)…] alt. 50 J.“

Totenbeschau-Protokoll der Stadt Wien, 1816 – Lit. S – p.28

Ideologisch relevante Abstammung

In vielen Quellen und Stammbäumen im Internet findet man zu Johann Michael STRAUSS das ungarische Ofen als Geburtsort. Ich konnte dazu leider noch keine Belege finden. Doch vielleicht noch interessanter ist die Tatsache, dass der Großvater des Begründers der Walzer-Dynastie jüdischer Abstammung war und offensichtlich zum katholischen Glauben konvertiert war. Die zugrunde liegende Information findet sich im Trauungsbuch 60 der Pfarre Wien St. Stephan vom 11. September 1762.

Pfarre Wien 01 – St. Stephan, Trauungsbuch 60 – p.211

Der ehrbare Johann Michael Strauß, Bedienter bey titl. Excell. H(errn) Feldmarschall Grafen von Roggendorff, ein getauffter Jud, ledig, zu Ofen gebürtig, des Wolf Strauß und Theresá ux(oris), beyden jüdisch (durchgestrichen: gestorbenen) abgelebten, ehe(liche)r Sohn;
Mit der ehr- und tugendsamen Rosalia Buschinin, zu Gföll in U(nter-) ö(sterreich) gebürtig, des Johann Georg Buschini, eines gewesten Jägers, und Evae Rosinae ux(oris) ehelichen Tochter.
Testes: Adam Martin Mohr, ein Cattonformstecher im groß(en) Eisenhutischen Haus beym Arsenal, und Leonard Griffeneder, Bedienter bey titl. H(errn) Grafen Reinhardt von Starhemberg.

Pfarre Wien 01 – St. Stephan, Trauungsbuch 60 – p.211 (Transkription (5))

Noch interessanter? Tatsächlich, denn rund um diesen Kirchenbuch-Eintrag findet man auf der Homepage des „Wiener Instituts für Strauss-Forschung“ eine äußerst bizarre Geschichte:

Dieser Vermerk, entdeckt von den Wiener Familienforschern Hans Bourcy und Hanns Jäger-Sunstenau, war geeignet dazu, die gesamte nationalsozialistische Hierarchie bis hin zum Reichssippenamt und zur Reichskulturkammer in Alarmbereitschaft zu versetzen – apostrophierten sie doch die Walzer-Musik von Johann Strauss Vater als zutiefst deutsches Kulturgut. („Es gibt wohl kaum noch eine andere Musik, die so deutsch und so volksnah ist, als die des großen Walzerkönigs.« – Der Stürmer 1938)„.

Und so startete das Reichssippenamt in Berlin auf Goebbels Geheiß eine Arisierung der Musikerfamilie, indem die entsprechende Seite im Trauungsbuch schlichtweg durch eine Fälschung ersetzt wurde, in der der unliebsame Eintrag fehlte. 6)

Fast exakt hundert Jahre nach diese, skandalträchtigen Trauungsvermerk seines Urgroßvaters finden wir im Trauungsbuch des Stephansdomes die Eintragung der Hochzeit des Enkels, Johann Strauss Sohn.

Er heiratete Henriette Carolina Josepha CHALLUBETZKY, die sieben Jahre ältere Tochter eines „bef(ugten) Gold- und Silberverarbeiters“ aus der Josefstadt.

Pfarre Wien 01 St. Stephan – Trauungsbuch 89 – p.384

Von der Soirée über die Redoute zum Opernball

Ab dem Jahr 1878 hießen die Veranstaltungen im k. k. Hof-Operntheater „Redoute“ und es fanden bis 1899 jährlich mehrere statt, die durchnummeriert wurden.

Die Neue Freie Presse berichtete in der Rubrik „freie Chronik“:

Die erste Redoute, welche heute im Hofopernhause stattfand, ist recht hübsch ausgefallen. Sie war vor allem sehr gut besucht, nur hatte» die meisten Vertreterinnen der eleganten Gesellschaft, die hier in den Logen oder auf den Sitzreihen längs der Saalwände Platz nahmen, es vorgezogen, in Balltoilette zu erscheinen. Da nun fast Jedermann und jede Dame von der Voraussetzung auszugehen schien, die anderen müßten für das Faschingsvergnügen sorgen und im maskirten Domino auftreten, so stellte sich als Resultat heraus, daß nur eine kleine, aber tapfere Minorität den herkömmlichen Redoute-Charakter zu wahren sich bemühte.

ANNO: Neue Freie Presse, 03.03.1878

Der Untergang des Kaiserhauses in den Wirren des ersten Weltkrieges bescherte dem Ballvergnügen jedoch eine Unterbrechung, aber schon relativ rasch nach Ende des Krieges konnte am 29.01.1921 die erste Opernredoute der Zwischenkriegszeit veranstaltet werden. Die „Illustrierte Kronen-Zeitung“ lobt neben den raschen technischen Aufbauten zur Vermeidung von Schließtagen die soziale Widmung der Erträge:

„Etwa 100 Logen, über die das Opernhaus verfügt, sind in wenigen Tagen restlos verkauft worden; und hätte man Gelegenheit gehabt, die doppelte Anzahl zu verkaufen, es wäre dies in nicht längerem Zeitraum geschehen.

Diese erste Opern-Redoute wird den armen, auf kärgliche Pensionen gesetzten Altpensionisten der Staatstheater, jetzt vergessen und im Stich gelassen, ehemals sehr beliebten und bejubelten Lieblingen des Wiener Publikums, eine Zubuße ermöglichen, die sie für einige Zeit wenigstens der grausamsten Sorge enthebt.“

ANNO: Illustrierte Kronenzeitung, 29.01.1921, S.5

In den Jahren 1924, 1928 und 1929 fand die Veranstaltung als „Opernredoute“ statt, danach wurde aufgrund der Weltwirtschaftskrise auf die Abhaltung verzichtet.

Ab dem Jahr 1935 schließlich firmierte Österreichs prominenteste Tanzveranstaltung unter dem Namen Opernball. Der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland war kein Hindernisgrund – im Jahr 1939 fand der Opernball zum letzten Mal vor dem zweiten Weltkrieg statt.

Nach der Besatzungszeit konnte der Opernball ab dem Jahr 1956 wieder veranstaltet werden und parallel zum Aufstieg des Mediums Fernsehen entwickelt er sich zu einer Art österreichischem Staatsball mit hochrangigem internationalen Publikum.

Epilog – Strauss-Stammbäume im Internet

Wie bei vielen berühmten Persönlichkeiten und Familien findet man auch in den Genealogie-Plattformen im Internet etliche Strauss-Stammbäume. Auch hier zeigt sich wieder, dass viele davon wertvolle Inhalte enthalten, die aber jedenfalls mit Vorsicht zu genießen sind.

So findet man als Eltern des Johann Michael Strauss, anders als in seinem Trauungsbuch-Eintrag unzweifelhaft nachzulesen, ein Ehepaar Wolfgang und Juliana (geb. Prieglinger), auch wenn der Name der Mutter im Trauungsbuch unzweifelhaft als Theresia erkennbar ist. Als Geburtsort findet man Pettenbach in Oberösterreich anstelle von Buda (Ofen) und weitere ähnliche Ergebnisse.

Wie immer also gilt: check, re-check, double-check… oder, wie es Prof. Gundacker – DIE Instanz der österreichischen Genealogie – ausdrückt: „ein Link ist noch keine Quelle“.

Ahnenforschung wird aus schließlich unterschiedlichsten Motiven betrieben. Neben dem Interesse an den eigenen Vorfahren und allgemeinem Interesse an Genealogie gibt es auch Zeitgenossen, die versuchen einen Bezug ihrer Familie zu bekannten oder berühmten Personen herzustellen oder auch die – hoffentlich vermögenden – Auswanderer in Übersee zu finden. Oder es liegen, wie am Beispiel der Familie Strauss ersichtlich, politische Gründe vor, um sich einen bestimmten Stammbaum „zu wünschen“


Als ich begann, mich mit der Familie Strauss – also im Wesentlichen Johann Strauss Vater und Sohn sowie dessen Bruder Eduard – zu beschäftigen leistete mir die Homepage des Wiener Institutes für Strauss-Forschung (WISF) gute Dienste, da sie einen übersichtlichen Stammbaum der Familie Strauss anbieten, der – bestens erforscht – mir viel Arbeit ersparte.

Zu meinem Erstaunen fand ich in dieser Ahnentafel plötzlich den Namen AIGNER wieder. Karoline, die Tochter von Josef Strauss, zweiter Sohn von Johann Strauss Vater, hatte einen Anton Aigner geheiratet.

Nachdem unsere Vorfahren allerdings sehr lange Zeit sehr sesshaft im ländlichen Oberösterreich gewohnt hatten gehe ich nicht davon aus, dass ein Bauernsohn aus der Nähe von Wels in Kontakt mit der Nichte des Walzerkönigs gelangt sein könnte 🙂 (Dazu ist der Name Aigner einfach zu häufig).


(1) Wikipedia: Wiener Kongress – Vorgeschichte und Beginn
(2) Wikipedia: Johann Strauss Sohn
(3) Wien Geschichte WIKI
(4) Wikipedia: Johann Strauss Vater
(5) Wiener Institut für Strauss-Forschung (WISF)
(6) ebd.: WISF | Fälschung 1941 (johann-strauss.at)

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