Gertrud Ederle – „Trudy“, die junge Frau und das Meer

„Die junge Frau und das Meer“ oder „queen of the waves“

  • Ein junges Mädchen schwimmt Anfang des vorigen Jahrhunderts rund um einen Steg am Strand von Coney Island
  • Eine Jugendliche schaufelt Kohlen, um am Schwimmunterricht für Frauen teilnehmen zu dürfen
  • Eine junge Frau mit roter Badekappe wirft sich, eingefettet mit Olivenöl, Fett und Schmalz, ins Wasser des Ärmelkanals
  • Eine völlig erschöpfte Athletin mobilisiert ihre letzten Reserven, als sie die Leuchtfeuer an der britischen Küste erkennt,
    die ihr den Weg zum Überleben und zu einem unglaublichen Rekord weisen.

Der erst im Mai erstmals ausgestrahlte Film „Die junge Frau und das Meer“ (USA, 2024) erzählt die Geschichte einer jungen Sportlerin, die sich allen Widerständen und Geschlechterklischees zum Trotz in den 1920er-Jahren in den Kopf gesetzt hat, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Sie wird diese Leistung, die in der damaligen Zeit für eine Frau für unmöglich gehalten wurde, mit einer Schwimmstrecke von 56 km in 14,5 Stunden schaffen – 2h schneller als der bis dahin schnellste Mann – und in der Heimat mit einer Konfettiparade von geschätzt 2 Mio. Menschen empfangen.

Doch was kümmert einen österreichischen Ahnenforscher die Geschichte einer amerikanischen Schwimmerin?

Gertrud „Trudy“ Ederle – (C) Sammlung Eggers

Der Film erzählt die Geschichte von Gertrud Caroline Ederle, Tochter deutscher Auswanderer, geboren in New York und hier ist der Punkt, an dem das Trüffelschwein im Forscher beginnt, an der Leine zu zerren. Welche Dokumente findet man zu dieser jungen Frau und ihren Eltern? Welche unterschiedlichen Quellen und welche Arten von Nachweisen belegen die Geschichte ihrer Familie?

Wikipedia nennt mir als Geburtsdatum den 23. Oktober 1905, das gleiche Datum, das ich in einigen Zeitungsartikeln über „Trudy“ finde. Doch es wird sich herausstellen, dass exakt das Geburtsdatum mir die größten Probleme bereiten wird.

Kirchengemeinschaften in New York

Sehr häufig sind es die kirchlichen Aufzeichnungen der Religionsgemeinschaften, die uns die Grundlage für die Ahnenforschung bieten. In weiten Teilen Österreichs ist es dabei keine große Frage, wo man suchen muss, weil die erste Anlaufstelle üblicherweise die Matriken der katholischen Kirche sind (und andere zumeist auch gar nicht existent waren) . In anderen Gegenden Europas gestaltet sich das nicht so klar und eindeutig, und dort ist zumeist die erste Frage, die geklärt werden muss, welcher Kirche die gesuchte Person angehörte.

Neben der Zugehörigkeit zu einer Religion bestimmte der Wohnort – und dort die zuständige Pfarre – wo die kirchlichen Aufzeichnungen geführt wurden. In Großstädten wie z.B. Wien ist es ohne zusätzliche Hilfsmittel wie genealogische Datenbanken, die Geburten, Trauungen und Sterbefälle über Pfarrgrenzen hinweg durchsuchbar machen, eine extrem mühsame Aufgabe, ein einzelnes Ereignis zu finden, wenn man nicht zumindest den Bezirk oder die Pfarre weiß – selbst wenn das genaue Datum bekannt ist!

Was in Wien ein Problem ist, wird in New York zur Mammutaufgabe. Eine große Anzahl an Kirchen und Pfarren gab und gibt es auch in europäischen Städten.

Aber während in Wien die räumliche Zuständigkeit der Pfarrsprengel (trotz einiger Veränderungen) zumeist klar abgegrenzt war, finden sich in Manhattan rund 120 Pfarren, die im weiteren Sinn der Kategorie „deutsche Kirchen“ zuzurechnen sind, zum Teil in nächster Nähe zueinander sowie eine ähnliche Anzahl an katholischen Kirchen.

Haberstroh, Richard (2000) – The German churches of metropolitan New York: a research guide

Selbst der Begriff „deutsche Kirchen“ ist nicht klar zu umreißen, weil es neben Kirchen mit ausschließlich deutschsprachigem Ritus, Pastor und Gemeindemitgliedern jede Form von Abstufung gab – bis hin zu rein englischsprachigen Kirchen, die einfach einen hohen Anteil an deutscher Bevölkerung hatten.1)

Haberstroh, Richard (2000)
The German churches of metropolitan New York: a research guide
Guide to vital statistics in the City of New York
Borough Manhattan – Churches

Holländische, Schwedische, Böhmische, Reformierte und Episkopale Kirchen – die Vielfalt der protestantischen Kirchen im Schmelztiegel New York ist beinahe unüberschaubar. Der „Guide to vital statistics in the City of New York“ aus dem Jahr 1942 benötigte für den Borough Manhattan mehr als 55 Seiten, um die Kirchen aller Glaubensgemeinschaften aufzulisten!

Die Entwicklung der Bevölkerung von Manhattan verläuft ähnlich explosionsartig wie die von Wien. Doch während der Bevölkerungszuwachs von Manhattan ab der Jahrhundertwende – ähnlich wie derjenige Wiens – bei einem Level von knapp 2,2 Mio. Einwohner zu stagnieren begann, wuchs die Bevölkerung von New York insgesamt massiv weiter.

Die Bevölkerungszahlen für Manhattan beziehen sich allerdings auf eine relativ konstante Landfläche von ca. 59 km2, während die Fläche von Wien, die mit den Eingemeindungen der Vorstädte 55,4 km2 erreichte, in den Jahren bis 1934 weiter bis auf 275,88 km2 anwuchs!

JahrManhattan Veränderung in %New York
179033.13133.131
180060.489 +82,6%60.515
181096.373+59,3%96.373
1820121.706+28,4%123.706
1830202.589+63,8%202.589
1840312.710+54,4%312.710
1850515.547+64,9%515.547
1860805.658+57,8%813.669
1870942.292+15.8%942.292
18801.164.674+23,6%1.206.299
18801.441.216+23,7%1.515.301
19001.850.093+28,4%3.437.202
19102.331.542+26,0%4.766.883
19202.284.103-2,0%5.620.048
Bevölkerungsentwicklung Manhattan und New York 2)

Einzelne Personen anhand der Kirchenbücher von New York zu identifizieren stößt daher auf noch größere Schwierigkeiten als wir sie in europäischen Städten vorfinden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert siedelten sich die meisten deutschen Einwanderer noch an der Lower East Side an, wo bereits ein großer Anteil an deutschsprachiger Bevölkerung lebte.

Das Ende von „Kleindeutschland“

Die Gegend der Lower Eastside wurde landläufig „Kleindeutschland“ genannt. In diesem Teil von Manhattan siedelten besonders viele deutschsprachige Einwanderer. Der jährliche „Umschlag“ an Menschen, die frisch eingewandert waren, und denen, die in andere Bundesstaaten weiterzogen, muss enorm gewesen sein. Ohne nähere Quellen dafür zu zitieren werden für manche Jahre mehrere hundertausende Einwanderer genannt! Allein aus Hamburg starteten in vielen Jahren mehr als 100.000 Menschen in die neue Welt!

Doch ein Ereignis wird wesentlich mit dafür verantwortlich gemacht, dass sich diese regionale Konzentration auflöste und – im Unterschied zu Little Italy und Chinatown – keine lokal fokussierte deutschsprachige Community mehr exisitiert.

Der Untergang des Raddampfers General Slocum

Die „General-Slocum“-Katastrophe traf Kleindeutschland am 15. Juni 1904. Die evangelisch-lutherische Kirche veranstaltete ihr 17. jährliches Picknick, um das Schuljahresende zu feiern, und charterte einen Schaufelraddampfer, die „General Slocum“, für eine Vergnügungsfahrt auf dem New Yorker East River zur Picknick-Stelle auf Long Island. Über 1.300 Passagiere, die meisten davon Frauen und Kinder, nahmen an dem Ereignis teil. Kurz nach dem Ablegen brach ein Feuer in einem Lagerraum im Bug des Schiffes aus.
Zwar war das Schiff mit Rettungsbooten und -ringen ausgestattet; sie befanden sich jedoch in einem schlechten Zustand. Einige Rettungsringe waren sogar morsch und nicht schwimmfähig. Das Fehlen von hinreichend Rettungsausrüstung in Verbindung mit dem schlechten Führungsverhalten von Captain William van Schaick führte zu geschätzten 1.021 Toten. Während etwa ein Prozent der Bevölkerung von Kleindeutschland bei dem Unglück ums Leben kam, waren gerade diese Opfer Mitglieder der etabliertesten Familien, dem sozialen Oberbau der Gemeinschaft; die übrige, frisch eingewanderte Bevölkerung hatte meist nicht das Geld, um sich solche Vergnügungsfahrten leisten zu können
. 3)

Der Film nimmt Bezug auf dieses Ereignis und kreiert aus dieser Katastrophe die Motivation von Gertrude Haberstroh, der Mutter von Gertrud Ederle, ihre Töchter zum Schwimmunterricht anzumelden.

Tatsächlich waren die drei ältesten Mädchen der Familie, Helene (1903), Margaretha (1904) und Gertrude (1905), zum Zeitpunkt der Katastrophe noch Babies bzw. ungeboren, doch diese künstlerische Freiheit tut der Erzählung keinen Abbruch.

Die deutsche Community verteilte sich danach auf andere Stadtviertel und ab dem ersten Weltkrieg waren es auch politische Ressentiments, die gegen ein (Wieder-)Erstarken einer deutschsprachigen Community wirkten.

Obwohl familysearch.org – das weltweit wohl umfangreichste Archiv von genealogischen Dokumenten – auch jede Menge Kirchenbücher aus New York anbietet… ich konnte bislang im online verfügbaren Bestand gerade einen Eintrag zur Familie Ederle finden. Und auch dieser dokumentiert kein Ereignis aus dem direkten Leben der Familie sondern eine Taufe, bei der Gertrudes Vater als Taufpate fungierte.

Einwanderung, Einbürgerung, Reisepass

Doch einige der mächtigsten Quellen bei der Recherche von Vorfahren in den USA helfen uns auch bei Familie Ederle:

  1. Einwanderungslisten

Für die USA existieren Listen der ankommender Passagiere und Besatzungen zwischen 1820 und den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts, vor allem von Ellis Island, dem wichtigsten Ankunftszentrum für New York und New Jersey. Diese Listen spiegeln zumindest einen Teil der Massenmigration wider, die sich aus den Übersee-Häfen von Rotterdam, Hamburg, Antwerpen und Bremen in die neue Welt ergoß.

Einen Einblick, wie sich die Welt der Auswanderer in Hamburg gestaltete und wer daran verdiente, bietet ein Beitrag des NDR4).

Diesen Passagierlisten können wir auch entnehmen, dass die Familie Ederle eine rege Reisetätigkeit zwischen den USA und Europa entwickelte. Wenn man Schätzungen heranzieht, die eine Schiffspassage von Europa nach Amerika mit einem Jahresgehalt eines Arbeiters veranschlagen, so spricht das zum Einen sehr dafür, dass die Geschäfte des Fleischhauers Henry Ederle gut liefen, zum Anderen aber auch dafür, dass die Familie die Schwimm-Karrieren ihrer Töchter Trudy und Margaret mit großem, auch finanziellen Einsatz unterstützte. Trudy stellte sich als das größere Talent heraus, stellte mit zwölf Jahren den ersten Weltrekord über 800 m Freistil auf und brach in den folgenden Jahren weitere Weltrekorde.

Passagierliste der SS Rotterdam, September 1922

Gertrude findet sich daher auf vielen Passagier-Listen. Die Einreise im Jahr 1924 entspricht mutmaßlich ihrer Rückreise von den Olympischen Spielen in Paris, wo die junge Sportlerin eine Goldmedaille in der 4-mal-100-Meter-Freistilstaffel und zwei Bronzemedaillen über 100 und 400 Meter Freistil errang. Für die Rückreise nach ihrer erfolgreichen Überquerung des Ärmelkanals konnte ich noch keinen Beleg finden.

JahrNamenSchiffHafenDatum
1896Heinrich EderleSS HavelBremen25.05.1892
1909Heinrich EderleSS CincinnatiHamburg05.08.1909
1914Gertrude (Mutter)
Helene
Margaretha
Gertrud
SS RyndamRotterdam07.10.1914
1922Henry
Gertrud
George
SS RotterdamRotterdam22.09.1922
1922GertrudeSS Fort VictoriaHamilton, Bermuda12.10.1922
1923GertrudeSS BerengariaCherbourg01.06.1923
1923Margret
Gertrude
SS ArcadianBermuda13.12.1923
1924GertrudeSS AmericaSouthampton06.08.1924
Einreisevermerke der Familie Ederle auf Ellis Island zwischen 1896 und 1924

Geburtsdatum oder Alter, kombiniert mit einer Angabe der Herkunft, erlauben üblicherweise die korrekte Zuordnung zur Person.
In einem Fall hilft uns auch der Beruf „butcher“ weiter, sowie die gemeinsame Nennung von Heinrich Ederle mit einem Hr. Johann Gölz, der offenkundig aus einer im Herkunftsort von Henry Ederle sehr prominenten Familie stammte.

  1. Volkszählungen / US Census

Die alle 10 Jahre durchgeführten Volkszählungen der USA sind ebenfalls online verfügbar – und auch darin finden wir Familie Ederle.

Exkurs: Das Geburtsjahr

An diesem Punkt wird es interessant, ein wenig über das tatsächliche Geburtsdatum von Gertrud Ederle zu spekulieren. Wikipedia nennt uns den 23. Oktober 1905. Der 23. Oktober als Tag ihrer Geburt ist wohl unbestritten, doch in den Zeitungsberichten über ihre sportliche Großtat findet sich sowohl das Jahr 1905 als auch das Jahr 1906!

Der US Census erfasst im April 1910 als „Age at last birthday“ 4 Jahre, das entspricht ebenfalls dem Oktober 1905.
Bei den Einwanderungslisten wird es erst wirklich interessant.

  • Bei der Reise im Jahr 1914, am 07.10. – wenige Tage vor ihrem Geburtstag – wird sie mit 8 Jahren angegeben (korrekt für 1905), das Geburtsjahr allerdings als 1907 genannt, was sicherlich falsch ist.
  • Bei der Einreise von den Bermudas im Jahr 1922 lautet das Geburtsjahr 1906
  • Auf der SS Arcadian im Jahr 1923 ist das Geburtsjahr ihrer älteren Schwester als 1905 angegeben, Gertrudes ist korrigiert und kaum lesbar, müsste folgerichtig aber 1906 lauten.
    Das Alter der beiden (18 bzw. 17) deutet aber wiederum auf 1904 und 1905 als Geburtsjahr hin
  • Im Juli 1924 auf der SS America findet man den 23.10.1906, das Alter ist allerdings völlig widersinnig mit „16“ angegeben.
SS Rijndam 1914
SS Arcadian 1923
SS America 1924
  1. Einbürgerungs-Unterlagen

Viele der eingewanderten Europäer beantragten die US Citizenship und auch dazu sind umfangreiche Materialien online verfügbar.

Henry Ederle, der 1892 in New York angekommen war, ist im Jahr 1906 darin zu finden.

Seinem Antrag liegt auch sein Reisepass bei, der uns den ersten brauchbaren Hinweis darauf gibt, woher er tatsächlich stammte: Aus Bissingen im Königreich Würtemberg.

Indexeintrag des Einbürgerungsantrags
Kopie Reisepasses von Henry Ederle

Zum Zeitpunkt der Einbürgerung wohnte Henry Ederle an der Adresse 110 Amsterdam Avenue, also doch ein erhebliches Stück außerhalb von Little Germany. Die Familie muss allerdings noch einmal übersiedelt sein, denn auf den Schiffslisten spätere Jahre finden wir die Familie auf 108 Amsterdam Avenue.

Amsterdam Avenue + Little Germany im Überblick
Wohnung der Familie Ederle – Amsterdam Avenue 108
  1. Reisepass-Antrag

Für die Reisen zu den internationalen Schwimmbewerben benötigte Trudy Ederle natürlich einen Reisepass. Ihr erster dürfte 1914 ausgestellt worden sein, doch ein Antrag zur Ausstellung eines neuen Reisepasses zeigt, dass sie dieses Dokument verloren haben dürfte.

Der Antrag ist datiert mit 10. Mai 1923, und in der mütterlichen Einverständnis-Erklärung verweist diese darauf, dass die Reise am 15. Mai auf der SS Berengaria angetreten werden sollte. Die Familie dürfte also einigen Stress damit gehabt haben, kurzfristig einen neuen Reisepass zu erhalten! Nachdem Trudy allerdings am 26.05.1923 in Cherbourg wieder auf der SS Berengaria die Heimreise antrat, dürfen wir annehmen, dass der Antrag erfolgreich war.

Reisepass-Antrag von Gertude Ederle (1923)
Zeugenaussage von Charlotte Epstein + Einverständnis-Erklärung der Mutter

In diesem Dokument findet sich vielleicht der entscheidende Hinweis, warum wir immer wieder auch 1906 als Geburtsjahr finden. Trudy hat in ihrem Antrag das Geburtsdatum 23.10.1906 genannt und auch das angegebene Alter von 16 Jahren würde zu diesem Geburtsjahr passen.
Letztlich lässt sich aber das korrekte Geburtsjahr wohl nicht ohne eine Urkunde klären, die tatsächlich ihre Geburt dokumentiert – also z.B. eine Geburtsurkunde oder ein Taufbuch-Eintrag.

Mit folgenden Informationen können wir uns nun in Europa auf die Suche nach den Vorfahren von „Trudy“ Ederle machen:
Vater: Jakob Heinrich EDERLE,
– geboren am 30.12.1875 in
– Bissingen, Baden-Würtemberg

Bissingen an der Teck

Burg Teck, Owen

To cut the long story short… Bissingen sollte sich als Bissingen an der Teck herausstellen, eine Kleinstadt im Landkreis Esslingen, südöstlich von Stuttgart gelegen.

Und Bissingen hat uns, neben der knapp außerhalb der Gemeinde liegenden Burg Teck, auch in punkto Ahnenforschung einiges zu bieten!

Konfirmandenregister

Das Herzogtum Würtemberg führte ab 1534 die Reformation ein, einzelne Reichsstädte wie z.B. Esslingen, sogar schon früher. Eine Gegenreformation und einen dreißigjährigen Krieg später hatte das 1806 gegründete Königreich Würtemberg, aus dem die Ederles auswandern sollten, nach wie vor eine überwiegend protestantische Bevölkerung.

So finden wir in der Pfarre Bissingen auch Confirmandenregister, in denen die zu den evangelischen Feiertagen (Judica, Misericordia, Quasimodogeniti/Weißer Sonntag, Jubilate, Kantate, etc.) Konfirmierten unter Angabe ihres Geburtsdatums gelistet werden.

Mit diesen Dokumenten können wir daher sowohl Jakob Heinrich Ederles Taufe im Jahr 1875 als auch seine Konfirmation im Jahr 1889 nachvollziehen und erfahren seine Eltern: Johann Georg EDERLE und Ursula Margarete GÖLZ.

Pfarre Bissingen an der Teck – Taufbuch 1875
Pfarre Bissingen an der Teck – Confirmandenregister 1889

Doch Würtemberg bietet uns, aufgrund einer 1807 durch König Friedrich I. von Würtemberg erlassenen Verordnung, ein noch viel praktischeres Hilfsmittel, das in dieser Form in katholisch geprägten Gegenden nicht zu finden ist, das wir jedoch bei den Vorfahren von Eduard Suess in Sachsen bereits vorgefunden haben.

Familienregister

Familienregister, ursprünglich „Seelenregister“, später auch „Familienbücher“, geben Auskunft über die verwandtschaftlichen Zusammenhänge einer Familie. Sie wurden meist anlässlich einer Eheschließung angelegt. Der Eintrag in einem Familienregister umfasst drei Generationen, nämlich das Paar selbst, dessen Eltern und Kinder. Er fasst dabei Personenstandsfälle aus den anderen Personenstandsregistern (Geburts-, Heirats-, Sterberegister) zusammen.5)

Dieses Register erlaubt uns recht einfach, mehrere Generationen der Familie Ederle zu erforschen. Zu Heinrich Ederles Vater Johann Georg konnte ich noch keinen Eintrag finden, doch die Generationen davor erschließen sich beinahe auf einen Blick:

Links: Johann Jakob, Johann Georg sen. (1782), Philipp Jakob (1818)
Rechts: Philipp Jakob (1818), Johann Georg jun. (1844)

Fazit

Die USA bieten für die Ahnenforschung einen unglaublichen Schatz an unterschiedlichen Datenquellen, die in dieser Form in europäischen Landen oft nicht verfügbar sind. Vieles davon auch in indexierter Form, so dass direkt nach Nach- und Vornamen gesucht werden kann, Manches davon allerdings auch hinter Paywalls, die einem privaten Engagement deutlich im Wege stehen.

Auch die protestantischen Quellen in deutschen Landen bieten zum Teil sehr interesssante Einblicke jenseits der katholischen Dreifaltigkeit von Taufe, Trauung und Tod. Wir werden sicherlich weiter darauf zurückgreifen.


  1. Haberstroh, Richard (2000) – The German churches of metropolitan New York: a research guide, p. 17ff.
  2. NYC Historical population, Statista.com, US Census zitiert nach Wikipedia, Demographics of Manhattan
  3. Wikipedia, Kleindeutschland
  4. NDR: Von Hamburg nach Amerika
  5. Landeskundliches Informationssystem Baden-Würtemberg

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