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Der Friedhof
In der Salzburger Altstadt spürt man den Atem der Geschichte an jeder Ecke – aber kaum an einer Stelle so intensiv wie im Friedhof von St. Peter.
Es wird angenommen, dass die Begräbnisstätte so alt wie das Stift selbst ist und ursprünglich der Bestattung der Ordensmitglieder diente. Die ältesten in der Stiftskirche und auf dem Friedhof erhaltenen Grabsteine stammen aus den Jahren 1288 und 1300, sowie etliche weitere aus dem 14. Jahrhundert.
In einem der ruhigsten Winkel der Altstadt liegt der Friedhof hinter der Stiftskirche eng an den Berg geschmiegt. Gruftarkaden und die sog. Communegruft liegen direkt unter dem Felsabbruch, in dem sich auch zwei vermutlich frühchristliche Höhlen befinden – die sog. Katakomben, gehauen in das Konglomeratgestein des Mönchsberges.
Aus jüngerer Zeit finden sich dort Gräber bekannter Persönlichkeiten wie der mit Mozart befreundete Johann Michael HAYDN, Bruder von Joseph Haydn, den Erzbischof Sigismund von Schrattenbach als Hofmusicus und Concertmeister nach Salzburg gerufen hatte sowie von Mozarts Schwester „Nannerl“, mit vollem Namen Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg. Auch der Erbauer des Salzburger Domes und von Schloss Hellbrunn, Santino Solari, fand dort seine letzte Ruhestätte.
Wie in vielen Städten im Habsburger Reich wurden auch in Salzburg gegen Ende des 18. Jahrhunderts die innerstädtischen Friedhöfe stillgelegt oder aufgelassen. Beim Petersfriedhof war dies 1878 der Fall. Danach wurden Bestattungen nur mehr auf dem Kommunalfriedhof vorgenommen. Die gänzliche Auflösung des Friedhofes wurde glücklicherweise vom Kloster St. Peter durch hinhaltenden Widerstand vereitelt. Seit 1930 durften auch Neubestattungen wieder vorgenommen werden, die im Wesentlichen Prominenten zuteil wurden.
Die Kreuze der Familie des Sebastian Stumpfögger
Doch heute soll eine weniger bekannte, aber am Friedhof doch sehr prominent sichtbare Familie im Fokus stehen. Sieben Grabkreuze sowie eine Marmorplatte erinnern an die Familie Stumpfegger, mit der sich – wie wir auf Salzburgwiki erfahren können – auch eine schaurige Legende verbindet.
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In deren Mittelpunkt steht Sebastian Stumpfögger (später Stumpfegger), ein Steinmetz- und Maurermeister, der es im fürsterzbischöflichen Salzburg zum Mitglied des Domkapitels und Hofbaumeister bringen sollte, sowie seine zahlreichen Ehefrauen.
Er selbst fertigte eine Marmorplatte zum Gedenken an seine Familie an, auf der seine Eltern und vier seiner Frauen genannt sind. Sein eigenes Todesdatum wurde später nicht mehr nachgetragen, wir erfahren allerdings das Sterbedatum seines Vaters.
Die Mutter wird dagegen nicht beim Vornamen genannt, die Tafel informiert uns aber auch über das Datum des Todes der „Grueberin“, den 03.12.1708.
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Das handwerkliche Wirken des Meisters wäre übrigens einen eigenen Beitrag wert, der weniger dem Thema Ahnenforschung als der spätbarocken Baukunst in Salzburg gewidmet sein müsste. Die Erzbischöfe Max Gandolf von Kuenburg, Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein sowie Franz Anton Fürst von Harrach entwickelten zwischen 1668 und 1727 eine überaus rege Bautätigkeit. Vor allem Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein ließ eine Unzahl an prunkvollen Bauten errichten. Für viele davon, wie die Kollegien-, die Ursulinen- und die Dreifaltigkeitskirche mit dem Priesterhaus sowie Schloss Klessheim, beauftragte er Johann Bernhard Fischer von Erlach sowie lokale Steinmetzmeister wie Sebastian Stumpfegger.
An Meistern der Steinmetz- und Maurerkunst war also großer Bedarf in Salzburg und Sebastian Stumpfegger arbeitete mit Fischer von Erlach an der Kollegienkirche in Salzburg sowie an den Schlössern Hellbrunn und Kleßheim. Weitere seiner Werke von Bedeutung sind die Dreifaltigkeitssäule am Linzer Hauptplatz sowie die Hochaltäre der Stiftskirche Klosterneuburg und der Pfarrkirche Zwettl.
Eine gruselige „Sage“
Wir finden im Internet etliche Angaben zu Stumpfeggers Lebenslauf und den Grabkreuzen, viele davon allerdings unvollständig, widersprüchlich oder auch falsch. Wikipedia verzichtet auf die fragwürdige „Sage“, auf die wir gleich zu sprechen kommen werden, unterschlägt in einer sehr simplen Zählung der Grabkreuze (2 Eltern + 4 Frauen) allerdings zwei seiner Ehefrauen:
Sebastian Stumpfegger starben nacheinander vier Ehefrauen. Er hatte insgesamt einundzwanzig Kinder. Er ist auf dem Petersfriedhof Salzburg in Salzburg begraben. Neben seinem Grabkreuz sind dort auch die Grabkreuze seiner Eltern sowie die seiner vier Ehefrauen erhalten.
Ein Beitrag im Salzburg-Wiki (zurückgehend auf einen Artikel des Salzburger Heimatkundlers Josef Eder im Salzburger Volksblatt vom 18.07.1931) bringt die pietätlose Unterstellung ins Spiel:
Fragwürdige Fremdenführer erzählen leider pietätlos die Sage, bei den sieben Grabkreuzen handelt es sich um die Grabstätte eines Mannes und seiner von ihm zu Tode gekitzelten Ehefrauen. Die Entstehung dieser frei erfundenen „Sage“ wurde wohl durch die z.T. kürzere Aufeinanderfolge von Heiraten und vielleicht auch durch den Umstand begünstigt, dass am Tag des Begräbnisses der vierten Frau Stumpfeggers zwei Mörder hingerichtet wurden, deren Opfer mit Vornamen ebenso Marianne hieß wie die vierte Frau Stumpfeggers. Das pietätlose Gerücht geht höchstens ins späte 19. Jahrhundert zurück und ist nicht älter.
Auf dieser Seite sind auch die Verstorbenen sind penibel aufgelistet, allerdings mit kleineren Schönheitsfehlern, wie wir im weiteren Verlauf anhand der Matriken des Salzburger Doms sehen werden. So hieß z.B. keine einzige der Ehefrauen „Marianne“, die Gattinnen #4 und #5 trugen jedoch beide den Namen „Anna Maria“.
- (I.) Lorenz Stumpfegger († 13. September 1709), Vater des Sebastian Stumpfegger;
- (II.) Sebastian Stumpfegger, fürsterzbischöflicher Steinmetz- und Maurermeister († 1749)
- (III.) Sebastians erster Frau, Maria, geborene Sinnhuberin († 1717), Mutter von neun Kindern;
- (IV.) Sebastians zweiter Frau, Klara, geborene Hoferin, gestorben 1721 im Kindbett;
- (V.) Sebastians dritter Frau, Anna geborene Schallmoserin, gestorben 1725 im Kindbett;
- (VI.) Maria Gertraud geborene Grueberin, gestorben 1733, Sebastians vierter Frau (die allerdings von Erich Sziváry als Anna Marianne geborene Egger, gestorben 1733 im Kindbett, angegeben wird);
- (VII.) Maria Stumpfegger geborene Grueberin, gestorben 1708, Sebastians Mutter.
Wollen wir mal nicht kleinlich sein… später mehr dazu.
Die Sage vom Ehefrauen-Meuchler war jedenfalls bereits bedeutend länger bekannt. Schon im Jahr 1899 berichtet Leopold BECKER in den „Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde“ darüber.
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Professor Becker bemüht sich im Weiteren nach Kräften, die Ehre des Verleumdeten wieder herzustellen und seine Leserschaft vom unzweifelhaften Leumund des Hofsteinmetzes zu überzeugen.
Der Mann, der mit den sieben Kreuzen in so enger Beziehung stand, wie es ja der Grabstein selbst bezeugt – Sebastian Stumpfögger war sein Name – lebte ja wirklich im vorigen Jahrhundert in Salzburg und war ein tüchtiger, angesehener und streng religiöser Mann […] und wenn er auch nur sechs Frauen hatte, deren letzte ihn sogar […] um eilf Jahre überlebte, eine spätere Generation sah unter den sieben Kreuzen nun einmal die Ruhestätte seiner sieben Frauen.
Becker, ebd.
Becker zitiert auch einen Nekrolog der P.P. Franziskaner, die Stumpfögger zu ihrem Syndicus Pontificus oder Apostolicus ernannt hatten (einem Verwalter ihrer Einkünfte und ihres Vermögens) um seinen tadellosen Ruf zu unterstreichen und die Absurdität der Unterstellung des wiederholten Frauenmordes zu verdeutlichen.
Im Jahre 1749 am 14. November entschlief im Herren, reich an Jahren und Verdiensten, der angesehene und kunstfertige Herr Sebastian Stumpfegger, Hofsteinmetz, welcher durch beinahe 40 Jahre ein höchst getreuer und eifriger Apostolischer Syndicus dieses Klosters war.
Um zu unterstreichen, dass Stumpfegger im besten Falle fünf seiner Frauen ermordet haben könnte listet er die von ihm angenommenen Ehefrauen auch mit ihrem Sterbejahr auf.
Maria Gertrud, geb. Gruber † 1708
Maria Sünhuber † 1717
Klara Hofer † 1721
Anna Maria Schalmoser † 1725
Anna Maria Egger † 1733
Maria Theresia Echinger † 1760
Becker widmet sich sodann der genaueren Beschreibung der Kreuze. Dabei erkennen wir, dass die Grabtafeln wie wir sie heute vorfinden mit dem damaligen Zustand wenig zu tun haben dürften. Allen Quellen gemein ist die Angabe, dass die Gräber ursprünglich an anderer Stelle standen. Doch Becker schildert in seiner Beschreibung der Kreuze im Wesentlichen Inschriften in den Sockeln – wohingegen die heutigen Kreuze keinerlei Inschriften in ihren Standfüßen aufweisen.
„Der erste Sockel mit dem abgebrochenen Kreuze trägt die Zahl 1717, das Todesjahr seiner zweiten Frau Maria, geb. Sünhueber.“
Wenden wir uns nun den tatsächlich belegbaren Informationen zu, so zeigt sich schnell, wie genau man in diesem Falle auf die Quellen achten muss, um keinen Irrtümern aufzusitzen. Es zeigt sich aber ebenso rasch das Abbild der hohen Sterblichkeitsraten von Frauen bei der Geburt sowie der Kinder vor dem Erwachsenenalter.
Die Eltern
Lorenz Stumpfegger, Sebastians Vater, ist mit Kreuz Nr. I zweifelsfrei identifizierbar. Ich konnte zum ihm außer seinem Sterbebuch-Eintrag leider keine weiteren Matriken finden.
Eine weitere, sehr interessante Quelle, das Salzburger Bürgerbuch, verzeichnet aber seine Aufnahme als Bürger im Dezember des Jahres 1675 mit den Worten „den 29., Lorenz Stumpfegger Maurermaister sambt seinem Sohn Namens Sebastian„.
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Im Taufbuch der Pfarre Mülln finden wir die Geburt des Sohnes Sebastian. Die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Reihe der Ereignisse bleibt allerdings enttäuscht.
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Obwohl es im 17. Jh. etliche weitere Matriken-Einträge zu Stumpfeggers in Mülln gibt finden wir keine Trauung der Eltern und somit keine weiteren Hinweise auf deren Herkunft. So können wir z.B. 1653 die Trauung eines Simon Stumpfegger, Sohn eines Sebastian Stumpfegger verzeichnen – ein verwertbarer Beweis ist das allerdings nicht.
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Beim Kreuz VII ergibt sich das erste kleinere Fragezeichen. Wir finden im Sterbebuch am 04.12.1708 keine Maria, aber den Tod / das Begräbnis einer Magdalena Stumpfeggerin, maurmaißsterin, gestorben im 68. Lebensjahr. Frühere Dokumente zu Taufe oder Trauung konnte ich nicht finden, es könnte sich aber bei der Grueberin gut und gerne um eine „Maria Magdalena“ gehandelt haben. Die Übereinstimmung mit der Marmortafel ist aus meiner Sicht gut genug um davon auszugehen, dass Grab und Sterbebuch-Eintrag Sebastians Mutter zuzuordnen sind.
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Becker interpretierte die 1708 gestorbene Maria geb. Gruber interessanterweise als Sebastians ERSTE Frau. Eine Einschätzung, die m.E. nicht zutreffend ist.
Die erste Frau
Im Jahr 1697 finden wir am 8. Oktober die Trauung Sebastians mit Maria Erentrudis, geb. Gruberin. Im gleichen Jahr finden wir seine Aufnahme im Salzburger Bürgerbuch.
Maria Erentrudis gebar 2 Töchter – Anna Maria und Maria Helena – und sie sollte die Geburt ihrer zweiten Tochter am 02.02.1700 nicht überleben. Ihr Ableben findet sich zweifelsfrei im Sterbebuch II, p.516.
Sebastian Stumpfegger | Trauung am 08.10.1697 mit | Maria Erentrudis, geb. Gruberin |
---|---|---|
Anna Maria | * 19.07.1696 | |
Maria Helena | * 02.02.1700 | |
† 02.02.1700 |
Die zweite Frau
Auch bei der Benennung von Kreuz #3 im Salzburg-Wiki als „Sebastians erste Frau“ muss ich Einspruch erheben. Becker vermerkt meiner Ansicht nach korrekt, dass die Maria geb. Sünhueberin Stumpfeggers ZWEITE Frau gewesen sei.
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Wir finden die Hochzeit der beiden im Juni 1700 – kein halbes Jahr nach dem Ableben der ersten Frau.
Ich möchte an dieser Stelle erneut Leopold Becker zitieren. Einerseits beschreibt er die causale Logik der raschen Wiederverheiratung in wunderbaren Worten der damaligen Zeit. Andererseits beginnt er an dieser Stelle, bereits früher getätigten Aussagen zu widersprechen:
Schon seine erste Frau schenkte ihm neun Kinder und da sein Beruf ihn viel von zu Hause fern hielt, so forderte es die einfache Nothwendigkeit, zu einem neuen Ehebunde zu schreiten, um den der mütterlichen Obsorge beraubten Kindern wieder eine Mutter zu geben und seinen Hausstand vor Zerrüttung zu bewahren. Zu seinem Unglück entriss ihm der Tod seine ersten fünf Frauen stets nach kurzem Eheleben; da aber mit jeder derselben der Kindersegen wuchs, so zwang ihn allein schon dieser Umstand allein zu stets neuem Ehebunde, ohne dass man zu einem weiteren Motiv die Zuflucht zu nehmen braucht.
Widerspruch 1: Er bezeichnet plötzlich Maria geb. Sünhuberin als die erste Ehefrau. Sie brachte, als zweite Ehefrau und größte Mehrerin des Stumpfeggerschen Kindersegens tatsächlich 13 Kinder zur Welt, und das in einem Zeitraum von 17 Jahren.
Widerspruch 2: Das Eheleben mit der zweiten Frau war (mit 17 Jahren) keineswegs kurz. Die Frauen #3 und #4 sollten dann allerdings tatsächlich wieder in raschem Abstand folgen und versterben. Doch auch mit der fünften war er wieder acht Jahre verheiratet.
Sebastian Stumpfegger | Trauung am 08.10.1697 mit | Maria, geb. Sünhuberin |
---|---|---|
Rupert | * 09.00.1701 | |
Maria | * 10.11.1702 | |
Johann Adam | * 24.12.1703 | † 28.08.1753, Nachfolger als Steinmetz |
Anna Elisabeth | * 05.05.1705 | |
Erentrud | * 15.06.1706 | |
August | * 29.08.1707 | |
Johann Virgil | * 27.12.1708 | |
Maria Erentrudis | * 08.03.1710 | |
Jakob | * 21.07.1711 | |
Maria Ursula | * 19.10.1712 | |
Maria Veronica | * 02.02.1714 | |
Maria Magdalena | * 16.07.1715 | |
Kajetan Lorenz | * 30.07.1717 | |
† 16.10.1717 |
Maria Sünhuberin überlebte die Geburt des letzten Sprößlings nur mehr drei Monate. Auch wenn ich noch nicht klären konnte, wie viele der Kinder bereits früh starben – es muss ein überaus reges Treiben im Hause Stumpfegger geherrscht haben. Der fürsterzbischöfliche Hofsteinmetz dürfte aber auch über ein gutes Einkommen verfügt haben um die zahlreichen Teller zu füllen. Zumindest seit dem Jahre 1709 hatte er als fixe Monatsbesoldung 30fl. zur Verfügung 1) – ein Einkommen, das die Besoldung der Musiker Leopold Mozart und Johann Michael Haydn übertraf.
Die dritte Frau
Nach dem Ableben von Maria geb. Sünhuberin dauerte es wiederum ein knappes halbes Jahr bis zur erneuten Vermählung mit Klara Hoferin am 25.04.1718.
Die älteste Tochter Anna Maria war zu dieser Zeit 19 Jahre alt – zwei Jahre später sollte sie einen Georg Kaltenbrunner heiraten.
Es kann nur spekuliert werden, dass die älteren Töchter vor der Trauung wohl besonders viel zum Wohle der Familie beizutragen hatten.
Die Ehe blieb kinderlos und Maria Klara verstarb am 14. November 1721 im Alter von 39 Jahren bei der Geburt eines Mädchens, das „in extrema necessitate“ durch die Hebamme (not-)getauft wurde.
Die vierte Frau
Die nächste Heirat könnte beinahe schon als „Notheirat“ verstanden werden. Nur drei Monate nach dem Ableben von Maria Klara, geb. Hoferin steht Sebastian Stumpfegger mit der 23-jährigen Anna Maria Schallmoser vor dem Altar.
Auch diese Ehe blieb kinderlos und Anna Maria verstarb im August 1725 im jungen Alter von 26 Jahren.
Die fünfte Frau
Das rasche Voranschreiten zum nächsten Ehebund hatte sich bewährt, denn schon im November desselben Jahres wurde erneut geheiratet. Die Auserwählte hieß Anna Maria Egger und war nur zwei Jahre älter als die verstorbene Vorgängerin.
Was die Kreuze am Friedhof St. Peter betrifft stoßen wir hier auf einen schwer aufzulösenden Widerspruch. Die Nummerierung der Kreuze scheint einer bestechenden Logik zu folgen: Flankiert von den Eltern (I + VII) finden wir Sebastian und vier seiner Frauen in aufsteigender Reihenfolge – auch die Sterbedaten passen exakt in dieses Bild. Doch die Ehefrau, die am 9.11.1733 verstarb war definitiv keine geborene Gruberin und sie hieß auch nicht „Maria Gertraud“.
So sehe ich zur Interpretation des Kreuzes nur zwei Möglichkeiten:
- Die Position des Kreuzes in der Reihe sowie das Datum des Todes sind korrekt, aber der Name ist falsch. Es handelt sich um das Grab der Anna Maria, geb. Egger.
- Oder dieses Grab ist Maria Erentrudis, geb. Grueberin zuzurechnen, aber das Sterbedatum wurde verwechselt und der Vorname leicht abgewandelt.
Mit Anna Maria wuchs jedenfalls die Kinderschar erneut beträchtlich an und zwar nunmehr auf stattliche 23.
Sebastian Stumpfegger | Trauung am 08.10.1697 mit | Anna Maria, geb. Eggerin |
---|---|---|
Kajetan Pantaleon | * 27.07.1726 | |
Johann Sebastian Johann Vitus | * 24.06.1727 | |
Johann Christoph Sebastian | * 12.06.1728 | |
Franz Leopold | * 30.07.1729 | |
Maria Anna Katharina | * 23.06.1730 | |
Felix Anton | * 28.05.1731 | |
Maria Barbara | * 17.11.1732 | |
† 07.11.1733 |
Anna Maria, die älteste Schwester, war zum Zeitpunkt der Geburt von Maria Barbara bereits 34 Jahre alt und hatte ab dem Jahr 1721 ebenfalls ihre ersten Kinder bekommen. Ihre Älteste konnte also gut und gerne ein wenig auf ihre jüngsten Onkel und Tanten aufpassen. Man stelle sich – auch ohne Wissen über die Entwicklung der restlichen Geschwister – ein Zusammenkommen der gesamten Familie vor!
Anna Maria verstarb – fast könnte man sagen „wie könnte es anders sein“ – am 07.11.1733 bei der Geburt eines weiteren Kindes.
Die sechste Frau
Auch nach diesem Begräbnis sollte es nicht lange dauern, bis Sebastian Stumpfegger wieder vor dem Altar stand. Maria Theresia Echinger hieß die Dame und es muss ein rauschendes Fest gewesen sein – feierte der routinierte Witwer doch eine Doppelhochzeit mit seinem Sohn und späteren Nachfolger in der Steinmetz-Werkstatt, Johann Adam, der am gleichen Tag eine Ursula Schwedin ehelichte.
Letzte Spuren in Salzburg
Im Jahre 1738 übernahm Johann Adam die Gerechtsame, also die Gewerbeberechtigung, seines Vaters und wird damit im Salzburger Bürgerbuch aufgenommen.
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Sebastian Stumpfegger starb am 14.11.1749. Seine letzte Frau Theresia überlebte ihren Mann letztlich um 11 Jahre.
Auch Johann Adams Sohn Lorenz (Antonius Laurentius Valentinus) Stumpfegger tat es seinem Großvater und seinem Vater gleich und heiratete im selben Jahr in dem wir seine Aufnahme ins Salzburger Bürgerbuch finden.
Diese Ehe dürfte kinderlos geblieben sein. Mit seinem Ableben 1797 und dem Tod seiner Frau Genoveva 1824 verschwand die Familie Stumpfegger endgültig aus Salzburg – nur das Gerücht hielt sich länger…
- ANNO – Mitteilungen der Salzburger Gesellschaft für Landeskunde im Jahre 1903, p. 230
Es ist schon immer wieder erstaunlich, welche interessanten Details Michael findet und uns zugänglich macht! Danke dafür!